Auch ohne Garten lässt sich auf dem Balkon erfolgreich Gemüse anbauen. Gurken gehören zu den beliebtesten Gemüsesorten und können bei richtiger Pflege auch im Topf auf kleinem Raum gedeihen. In diesem Artikel erfahren Sie, worauf es beim Anbau von Gurken auf dem Balkon ankommt – vom idealen Standort über das richtige Pflanzgefäß bis hin zur Pflege und Ernte.

Optimaler Standort für Gurken auf dem Balkon
Gurken lieben es warm und hell. Ein sonniger, geschützter Standort ist daher ideal, jedoch sollte die pralle Mittagssonne vermieden werden. Die Pflanzen mögen viel Licht, aber extreme Hitze versetzt sie in Stress – ein Platz, der morgens und nachmittags Sonne bietet, jedoch zu Mittag etwas Schatten ermöglicht, ist optimal. Außerdem sollten Gurken vor starkem Wind und Regen geschützt stehen. Beispielsweise ist eine Süd- oder Westseite unter einem Vordach günstig, da hier genug Wärme und Licht vorhanden sind, ohne dass Wind die zarten Triebe knickt.
Gurken stammen ursprünglich aus warm-feuchten Klimazonen (z.B. Indien) und bevorzugen daher eine hohe Luftfeuchtigkeit. Auf dem Balkon lässt sich diese „Dampfbad-Atmosphäre“ zwar nicht so leicht erreichen wie im Gewächshaus, aber man kann nachhelfen: Gruppieren Sie Pflanzen eng beieinander und nutzen Sie Untersetzer mit Wasser oder feuchten Blähton, um die Umgebungsluft zu befeuchten (ohne die Gurkenblätter direkt zu benetzen). Wichtig ist dennoch, dass die Luft zirkulieren kann, damit sich keine stehende Feuchtigkeit staut – so beugen Sie Pilzkrankheiten vor. Alternativen zum Gewächshaus: Ein Balkon kann ein Gewächshaus teilweise ersetzen. Wer mag, kann ein Mini-Gewächshaus oder Folienzelt aufstellen, um Jungpflanzen im Frühjahr zu schützen. An sonnigen Tagen und generell bei geschlossenen Balkonen sollte jedoch regelmäßig gelüftet werden, damit trotz hoher Luftfeuchte genügend Frischluft an die Pflanzen gelangt. So erhalten Gurken fast gewächshausähnliche Bedingungen, ohne dass man ein echtes Gewächshaus benötigt.
Der richtige Topf und die beste Erde für Gurken
Damit Balkongurken reich tragen, brauchen sie ein ausreichend großes Gefäß und nahrhaftes Substrat mit ausreichend Drainage.
Topfgröße
Pro Gurkenpflanze sollte der Kübel mindestens etwa 25 bis 30 Liter Erde fassen. Experten empfehlen je nach Sorte sogar 20 bis 40 Liter Volumen pro Pflanze – mehr Erdvolumen erleichtert die Wasserversorgung im Sommer erheblich. Ein Durchmesser von rund 30 cm oder mehr ist sinnvoll, und lieber ein hoher als ein flacher Topf, damit die tiefründelnden Wurzeln Platz nach unten haben. Wichtig sind Abflusslöcher im Boden, denn Gurken reagieren empfindlich auf Staunässe. Stellen Sie den Topf am besten auf Füße oder einen Untersetzer, sodass überschüssiges Wasser gut ablaufen kann.
Drainage
Legen Sie am Topfboden eine Schicht grobes Material an – etwa Blähton, Kies oder Tonscherben – um den Wasserabfluss zu verbessern. Auch das Untermischen von Perlit oder groben Kokosfasern in die Erde trägt dazu bei, dass das Substrat locker und gut belüftet bleibt. Gurken benötigen lockere, humusreiche Erde, die zugleich wasserdurchlässig und nährstoffreich ist. Eine hochwertige Gemüseerde oder Tomatenerde ist meist ideal: Sie enthält viel organische Substanz (Humus/Kompost) und oft etwas Tonminerale oder Holzfasern, welche Feuchtigkeit speichern und die Erde luftig halten. Normale Blumenerde ist oft zu torfreich und nährstoffarm für Starkzehrer wie Gurken – greifen Sie besser zu spezialisierten Mischungen oder reichern Sie Blumenerde mit Kompost an.
Um die Feuchtigkeit im Topf zu bewahren und Temperaturschwankungen im Wurzelbereich abzumildern, hat sich eine Mulchschicht bewährt. Bedecken Sie die Erdoberfläche nach dem Einpflanzen z.B. mit Stroh, Holzhäckseln oder Rindenmulch. Stroh als Mulch hält den Boden länger feucht und verhindert, dass Gießwasser hochspritzt (Spritzwasser kann Pilzsporen auf die Blätter schleudern). Zudem wirkt Mulch als natürlicher Schutz vor Austrocknung und trägt zu einem aktiven Bodenleben bei. Achten Sie allerdings darauf, Schnecken keine Versteckplätze zu bieten, falls Ihr Balkon für Schnecken erreichbar ist.
Gurken pflanzen Zeitpunkt und Vorgehen
Aussaat und Vorziehen
Gurken sind wärmeliebend und sollten nicht zu früh im Jahr ins Freie. Der ideale Zeitpunkt, um mit der Anzucht zu beginnen, liegt nicht vor März. Ab Ende März bis Anfang April können Gurkensamen im Haus (z.B. auf der Fensterbank) vorgezogen werden. Die Keimung gelingt am besten bei Temperaturen von mindestens 20 °C. Säen Sie die Samen etwa 1–2 cm tief in kleine Anzuchttöpfe mit Anzuchterde. Es empfiehlt sich, pro Topf nur ein bis zwei Samen zu legen. Bei etwa 25 °C keimen Gurken binnen 3–7 Tagen recht zügig; danach können die Keimlinge etwas kühler (um 18–20 °C) gestellt werden, aber weiterhin sehr hell, damit sie nicht vergeilen (zu dünn und lang werden). Gießen Sie in dieser Phase vorsichtig und halten Sie die Erde gleichmäßig feucht, aber nicht klatschnass.
Empfindliche Wurzeln
Junges Gurkengrün wächst schnell, dennoch sollten Sie mit dem Umtopfen behutsam sein. Gurken zählen zu den Kürbisgewächsen und reagieren sehr empfindlich auf das Umpflanzen – beschädigte Wurzeln verkraften sie schlecht. Daher ist es ratsam, Gurken entweder direkt in größere Anzuchttöpfe (mind. 8–10 cm Durchmesser) zu säen oder solche Töpfe zu verwenden, aus denen die Pflanze beim Umsetzen mit dem gesamten Wurzelballen entnommen werden kann (z.B. Anzuchttöpfe aus Zellulose, die man später direkt ins Substrat setzt). Falls das Vorziehen in sehr kleinen Töpfchen erfolgte, topfen Sie die Gurke nach spätestens 2–3 Wochen vorsichtig in einen größeren Topf mit nährstoffreicher Gemüseerde um. Achten Sie dabei darauf, den Wurzelballen nicht zu beschädigen – am besten die Pflanze mitsamt dem gesamten Erdballen umsetzen. Tipp: Gurken immer nur so tief einpflanzen wie zuvor; sie werden nicht tiefer gesetzt wie z.B. Tomaten (tieferes Einpflanzen könnte zu Stammfäule führen).
Auspflanzen auf dem Balkon
Ins Freie dürfen Gurken erst, wenn es wirklich warm ist. Nach den Eisheiligen (Mitte Mai) ist in den meisten Regionen der richtige Zeitpunkt gekommen. Ab der 2. Maiwoche können vorgezogene Gurken ins endgültige Gefäß auf dem Balkon umziehen. Wichtig ist, dass auch nachts keine Temperaturen unter etwa 10–12 °C mehr auftreten – konstant über 15 °C sind optimal. Vor dem Umzug nach draußen sollten die Jungpflanzen abgehärtet werden: Stellen Sie sie an warmen Tagen stundenweise ins Freie (anfangs halbschattig), sodass sie sich an Wind und Sonne gewöhnen. Direkt nach dem Einpflanzen in den großen Topf wird gut angegossen.
Rankhilfe von Beginn an und Wurzeln schützen
Viele Gurkensorten sind Kletterpflanzen, die lange Ranken bilden. Daher sollte man sofort beim Auspflanzen eine Rankhilfe bereitstellen. Stecken Sie z.B. einen stabilen Rankstab (Spiralstab, Bambusstange o.ä.) in den Topf oder platzieren Sie ein Rankgitter hinter der Pflanze. Alternativ können Sie Gurken an einem Balkongitter hochleiten, falls vorhanden. Die Ranken finden mit ihren Rankenfädchen selbst Halt, aber Sie können anfangs nachhelfen und sie sanft an der Stütze fixieren. Eine Rankhilfe verhindert, dass die Gurkentriebe am Boden liegen und spart Platz nach oben hin. Zudem verbessert das vertikale Wachstum die Belüftung der Blätter, was wiederum Pilzbefall vorbeugt. Falls Sie eine buschige, nicht rankende Balkongurken-Sorte gewählt haben, ist kein Gitter nötig – dann genügt ggf. ein Stab zur Stütze.
Jungpflanzen schützen
Die ersten Wochen im Freien sind heikel. Empfindliche Gurkenpflänzchen sollten anfangs vor Kälte geschützt werden. Wenn die Nächte noch kühl sind (unter ~12 °C), decken Sie die Pflanzen abends mit Gartenvlies ab. Das Vlies hält Wärme und Feuchtigkeit an der Pflanze und bewahrt vor Temperaturschocks. Auch eine durchsichtige Haube oder ein improvisiertes Foliengewächshaus kann kurzfristig helfen – achten Sie aber auf Lüftung am Tag. Bei plötzlichem Wetterumschwung (Sturm, Hagel) bringen Sie die Topf-Gurke am besten vorübergehend ins Haus. Sobald sich das Wetter stabil sommerlich zeigt, sind solche Schutzmaßnahmen nicht mehr nötig und die Gurke kann ungestört weiterwachsen.
Gurkenpflege richtig gießen und düngen
Eine der wichtigsten Pflegemaßnahmen für Balkongurken ist das Gießen. Gurken bestehen zu einem Großteil aus Wasser und haben entsprechend hohen Bedarf. Gleichzeitig vertragen sie keine Staunässe. Die Kunst liegt darin, das Substrat stets gleichmäßig feucht zu halten, ohne dass die Wurzeln im Wasser stehen.
- Ausreichend, aber ohne Staunässe gießen: Prüfen Sie täglich die Erde; besonders an heißen Sommertagen brauchen Gurken viel Wasser. Gießen Sie aber erst wieder, wenn die oberste Erdschicht leicht angetrocknet ist, um Überwässerung zu vermeiden. Wichtig: Lassen Sie überschüssiges Wasser aus dem Untersetzer ablaufen; spätestens 30 Minuten nach dem Gießen sollten Sie stehendes Wasser im Untersetzer abgießen, damit keine Nässe zurück in den Topf zieht.
- Lauwarmes Wasser verwenden: Nutzen Sie zimmertemperiertes bzw. leicht angewärmtes Gießwasser. Direkt eiskaltes Wasser aus der Leitung schockt die wärmeliebenden Gurken – das kann Wachstumsstörungen verursachen und bitteren Geschmack in den Früchten fördern. Ideal ist Regenwasser oder abgestandenes Leitungswasser, das den ganzen Tag auf dem Balkon temperiert wurde.
- Nicht über die Blätter gießen: Nässe auf den Blättern fördert Pilzerkrankungen. Gießen Sie daher immer direkt an der Wurzel, dicht über dem Boden. Vermeiden Sie es, die Gurkenblätter zu besprenkeln – vor allem im geschützten Balkonbereich trocknen nasse Blätter schlecht ab. Halten Sie zudem das Umfeld der Pflanze sauber und entfernen Sie abgefallenes Laub, um Infektionsquellen zu minimieren.
- Für Luftzirkulation sorgen: Vor allem wenn Sie ein Mini-Gewächshaus auf dem Balkon nutzen oder dieser verglast/geschlossen ist, achten Sie auf regelmäßiges Lüften. Stehende feuchtwarme Luft begünstigt Pilzbefall (z.B. Echten Mehltau). Ausreichender Abstand zwischen mehreren Gurkenpflanzen – mindestens 40–60 cm – ist ratsam, damit jeder Trieb genug Luft bekommt. Insgesamt gilt: Gurken mögen eine feuchte Umgebung, aber keine stickige. Eine luftige Aufstellung in Kombination mit hoher Luftfeuchte ist ideal.
Neben dem Gießen darf die Nährstoffversorgung nicht vernachlässigt werden. Gurken zählen zu den Starkzehrern und brauchen viele Nährstoffe für ihr rasches Wachstum und die Fruchtbildung. Mischen Sie am besten beim Pflanzen bereits einen Langzeitdünger (organischer Gemüsedünger) in die Erde oder geben Sie jede Woche einen flüssigen Gemüsedünger ins Gießwasser, sobald die Blüte einsetzt. Gedüngt wird regelmäßig: Etwa alle 1–2 Wochen ist eine Zugabe von Nährstoffen angebracht, damit die Pflanze gesund und wüchsig bleibt. Organische Dünger auf Kompost- oder Guano-Basis sind für den Balkonanbau gut geeignet, da sie schonend wirken. Achten Sie darauf, nicht überzudüngen – halten Sie sich an die Dosierungsempfehlungen. Eine gleichmäßige Versorgung mit Stickstoff, Kalium und Spurenelementen sorgt für kräftige grüne Blätter und viele Blüten.
Als weitere Pflegemaßnahme kann bei begrenztem Platz das Ausgeizen sinnvoll sein. Das bedeutet, manche Seitentriebe herauszuschneiden, damit die Kraft der Pflanze in die Haupttriebe und Früchte fließt. Insbesondere wenn die Gurke sehr üppig wächst und ein regelrechter „Dschungel“ im Topf entsteht, können Sie vereinzelt Blätter oder Nebentriebe entfernen, um Licht und Luft ins Innere der Pflanze zu lassen. Bei rankenden Gurken auf engem Raum schneiden manche Gärtner alle Seitentriebe bis in etwa 50 cm Höhe ab und kappen den Haupttrieb, wenn er die Rankhilfe komplett erklommen hat – so wird die Pflanze gezwungen, ihre Energie in die Fruchtbildung zu stecken. Diese Schritte sind jedoch optional. Beobachten Sie Ihre Pflanze: Wenn sie gesund aussieht und viele Blüten trägt, müssen Sie nicht stark eingreifen. Entfernen Sie nur regelmäßig vergilbte oder kranke Blätter und natürlich abgeerntete Fruchtansätze.
Ernte frische Gurken bis in den Herbst
Eine fast erntereife Gurke am Rankgerüst. Etwa zwei Wochen nach der Blüte sind Salatgurken groß genug, um geerntet zu werden.
Nach all der Pflege wird man bei Gurken meist reich belohnt. Unter guten Bedingungen setzt die Ernte bereits kurz nach Blühbeginn ein. Ist eine gelbe Gurkenblüte erst einmal bestäubt (bei manchen Sorten bilden sich auch ohne Bestäubung Früchte), dauert es oft nur rund zwei Wochen, bis die daraus entstehende junge Gurke erntereif ist. Die ersten Blüten und Fruchtansätze erscheinen je nach Sorte und Aussaatzeitpunkt ab Juni. Somit können ab etwa Juli die ersten Gurken vom Balkon geerntet werden.

Beim Ernten selbst gehen Sie behutsam vor, um die Ranken nicht zu beschädigen. Gurken haben empfindliche, spröde Triebe. Am besten schneidet man die reifen Früchte mit einem scharfen Messer oder einer Gartenschere ab, statt sie abzureißen. Lassen Sie ein kleines Stück Stiel an der Gurke, das verlängert die Haltbarkeit minimal. Ideal ist der Erntetermin am Morgen oder Vormittag, da die Gurken dann prall mit Wasser gefüllt sind und besonders knackig schmecken.
Über den Sommer hinweg werden immer wieder neue Blüten erscheinen. Gegen Ende September können Sie die letzten Blüten entfernen (ausbrechen), damit die Pflanze ihre Kraft in die noch vorhandenen jungen Früchte steckt und diese ausreifen können. Spätestens mit den ersten kühlen Nächten im Herbst lässt das Wachstum nach. Die Gurkenpflanze wird dann gelb und erschöpft aussehen – Zeit, sie abzuräumen und den Balkon für den Winter vorzubereiten. Nichtsdestotrotz: Bis dahin haben Sie mehrere Wochen lang eigene Gurken geerntet und frisch genießen können.
Fazit: Mit dem richtigen Standort, einem großen Topf, guter Erde sowie liebevoller Pflege steht einer üppigen Gurkenernte auf dem Balkon nichts im Wege. Es erfordert zwar etwas Aufmerksamkeit – regelmäßiges Gießen, Düngen und Beobachten –, doch die Mühe lohnt sich. Wenn Sie all diese Tipps beherzigen, können Sie von Juli bis September immer wieder knackige, aromatische Gurken pflücken und stolz auf Ihre erfolgreiche Balkongärtnerei blicken. Viel Erfolg und guten Appetit bei der eigenen Gurkenernte!
Quellen:
Die genannten Empfehlungen habe ich auf Grundlage eigener Recherche in mehreren etablierten Fachquellen zusammengestellt.Dabei habe ich unter anderem das Plantura Gartenmagazin, die Ratgeber von Mein Schöner Garten sowie praxisnahe Tipps aus dem Samen.de-Blogherangezogen.Ergänzend dazu habe ich die Pflegeempfehlungen des Herstellers Compo ausgewertet.


