Balkon nachträglich ergänzen – Informatives zu Ausrichtung, Bau und Vorschriften

Balkon nachträglich ergänzen

Viele Bestandsgebäude haben keinen Balkon. Das bedeutet aber nicht, dass die nachträgliche Ergänzung der Freiluft-Wohnfläche nicht möglich ist. In diesem Beitrag kannst du nachlesen, welche Rolle dabei die Himmelsrichtung spielt und was beim Bau außerdem wichtig ist.

Die Ausrichtung: Nord, Ost, Süd oder West?

Ob Westen, Osten, Norden oder Süden: In welche Himmelsrichtung ein Balkon zeigt, hat wesentlichen Einfluss auf dessen Nutzung. Ein Südbalkon hat den Vorteil, dass Bewohner nahezu den ganzen Tag über Sonne genießen können. An besonders heißen Tagen ist ein nach Süden ausgerichteter Balkon aber auch nachteilig:

Wird es zu heiß, bereitet weder das Sonnen Freude noch das Anpflanzen von Gemüse, weil Letzteres von der Sonneneinstrahlung ausgelaugt wird. Ohne Beschattung ist ein Südbalkon bei hohen Temperaturen ungünstig. Ein Westbalkon ist immer dann ideal, wenn Bewohner im Sommer gern bis spät abends draußen sitzen und Sonnenuntergänge genießen. Am Vormittag muss zwar auf Sonne verzichtet werden, dafür wird es auf diesem Balkon aber auch nicht zu heiß für empfindliche Pflanzen.

Ein Richtung Osten gebauter Balkon garantiert entspanntes Frühstücken bei Sonnenschein. Perfekt für Frühaufsteher, die auf Sonne am Abend nicht viel Wert legen. Pflanzen werden von der Mittagshitze größtenteils verschont. Nordbalkone sind weniger beliebt, weil sie sich nicht zum Sonnenbaden eignen. Stattdessen mangelt es an Licht, was auch das Anbauen von Kräutern massiv erschwert. Für den schnellen Überblick die Vor- und Nachteile der Balkonausrichtung nach Himmelsrichtung:

HimmelsrichtungVorteileNachteile
Südbalkon✔️ viel Sonne
✔️ für sonnenliebende Pflanzen ideal
- Hitze im Sommer
- vertragen nicht alle Pflanzen
- erfordert Beschattung
Westbalkon✔️ ab mittags /nachmittags Sonne
✔️ Sonnenuntergänge genießen
✔️ gut für Berufstätige
- kann windig werden
Ostbalkon✔️ Sonne am Morgen
✔️ Schutz vor Hitze
✔️ für Pflanzen, die Halbschatten bevorzugen
- ab mittags schattig
Nordbalkon✔️ angenehm kühl im Sommer- wenig, bis keine Sonne

In diesem Beitrag findest du Details zum Thema und konkrete Tipps dazu, welche Pflanzen sich für welche Art von Balkon besonders gut eignen.

Informatives zum Bau des Balkons

Bevor du dich näher mit Statik, Materialien und Balkonverkleidung auseinandersetzt, solltest du dich mit der Genehmigungspflicht beschäftigen. Wer in Deutschland nachträglich einen Balkon bauen möchte, muss diesen Anbau genehmigen lassen. Die individuellen Vorschriften können je nach Bundesland unterschiedlich ausfallen.

Einsehbar sind die Regelungen in der Landesbauordnung. Das Informationsportal balkon.com hat wesentliche Themen zum Balkon zusammengefasst und klärt in einem Artikel zum Balkonanbau darüber auf, wer über den Neubau informiert werden muss. Hilfe beim Ausfüllen und Beschaffen nötiger Formulare bieten Bauingenieure und Architekten.

Tipp
Auch für die Höhe der Brüstung musst du Vorschriften einhalten. Abhängig vom Bundesland sind beispielsweise 90 Zentimeter Höhe Pflicht.

Balkon nachträglich umbauen

Varianten in der Übersicht

Balkon ist nicht gleich Balkon. Es gibt verschiedene Bauarten und jede hat ihre Besonderheiten. Für Nischen und teilweise für Ecken eignen sich Nischenbalkons. Diese können, wie auch Balkone generell, als Anbau-, Vorstell- oder freitragender Balkon realisiert werden:

  • Anbaubalkon: Diese Form des Anbaus sieht zwei Stützen auf der Vorderseite und eine Verankerung auf der Hausseite (wandseitige Traglast) vor. Diese Bauart ist optimal für die nachträgliche Ergänzung von Wohnraum.
  • Freitragend: Wie der Name vermuten lässt, hängt dieser Balkon quasi in der Luft. Er erfordert keine Stützen, sondern wird mittels robuster, horizontal angeordneter Träger mit dem Gebäude verbunden. Freitragende Balkone wirken sehr reduziert, weil keine klobigen Stützen vorhanden sind. Aufgrund der aufwändigen Bauweise bringen sie aber hohe Kosten mit sich und das gesamte Gewicht lastet auf der Hauswand. Unterschieden wird zwischen Säulen-, Zugstangen- und Druckstangen-Systemen.
  • Vorstellbalkon: Dies ist eine selbsttragende und deshalb günstigere Konstruktion. Die Befestigung erfolgt über vier Stützen, die mit Fundamenten im Erdreich Halt bieten. Die Gebäudestatik wird von diesem Balkon nicht beeinflusst. Das Gesamtgewicht lastet auf den Stützen. Unter anderem gut für Altbauten, dessen Statik in Verbindung mit einem nachträglich hinzugefügten Balkon Probleme bereiten könnte.
Tipp
Welche Version für den persönlichen Bedarf die Richtige ist, sollte ein erfahrener Balkonbauer entscheiden. Das hinzuziehen eines unabhängigen Statikers kann sinnvoll sein.

Weitere Faktoren: Größe und Sichtschutz

Auch die Größe des Balkons will gut überlegt sein. Weniger als vier Quadratmeter sollten es nicht sein. Ansonsten ist der Balkonanbau wenig wirtschaftlich. Ratsam sind mindestens sechs Quadratmeter. Das Minimum für die Tiefe des Balkons beträgt 150 bis 170 Zentimeter.

Im Idealfall denkst du bereits bei der Planung an den Sichtschutz. Blickdichte Balkonverkleidungen aus Milchglas, wetterfestem Kunststoff oder Lochblech sind einige von vielen Möglichkeiten. Inspirationen für dekorativen Sichtschutz hat das Wohnmagazin schoener-wohnen.de arrangiert. Die Redaktion erläutert die Vor- und Nachteile verschiedener Materialien.

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